Eine neue Untersuchung, die am 26.11. bei Nature erschienen ist, zeigt: Das jahrtausendealte Wildtiermanagement indigener Völker, traditioneller Gemeinschaften und Familienbauern im Amazonasgebiet ist zentral für Ernährungssicherheit, Waldschutz und Klimastabilität. Federführend war Biologin Natalia Campos Pimenta vom Instituto Socioambiental (ISA), im Rahmen der Rede Fauna unter Leitung von André Pinassi Antunes.
Der Bericht beschreibt detailliert, wie kulturell verankerte Praktiken – von der Wahl des richtigen Jagdzeitpunkts über die strikte Begrenzung der Beute bis zur gemeinschaftlichen Verteilung – ein nachhaltiges System formen, das die biologische Vielfalt erhält und zugleich Millionen Menschen ernährt.
Laut Nature zeigt die erstmals zusammengestellte Datengrundlage die „enorme biologische und kulturelle Vielfalt wildtierbasierter Ernährungssysteme“ im Inneren Amazoniens. Wildfleisch deckt demnach fast die Hälfte des täglichen Bedarfs an Protein und Eisen der rund 11 Millionen ländlichen Bewohner des Bioms und liefert zudem wesentliche Mengen an B-Vitaminen und Zink.
Wirtschaftlich betrachtet hätte diese Produktion – gemessen an aktuellen Rindfleischpreisen – einen Wert von etwa 2,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Eine „unsichtbare“ Ressource, die maßgeblich zur Ernährungssicherheit beiträgt.
Die Studie belegt zudem, dass Indigene Territorien und Extraktivisten-Reservate stabile Populationen zentraler Wildtierarten aufweisen. Das bestätigt die Wirksamkeit indigener Landverwaltung und lokaler Regeln. Die Autor*innen betonen daher die Bedeutung von
Landrechtesicherung und Stärkung traditioneller Governance, um nachhaltige jagdbasierte Ernährungssysteme und entsprechende UN-Nachhaltigkeitsziele zu sichern.
„Kulturelle Identität ist ein Schlüssel für die Produktivität der Jagd und Ausdruck jahrtausendelanger, wechselseitiger Beziehungen zur Natur“, sagt Natalia Pimenta. Vorschläge, Wildfleisch zu verbieten oder zu ersetzen, ohne diesen Kontext zu berücksichtigen, seien „koloniale Ansätze“, die Autonomie und Rechte der Amazonasvölker gefährden.
Trotz hoher Jagdzahlen erhalten indigene und traditionelle Gemeinschaften laut Koautor André Antunes stabile Tierbestände, gesteuert durch soziale Normen, räumliche Beschränkungen und ein Verständnis der Gegenseitigkeit zwischen Menschen und Tieren. Nicht zufällig lägen die „wichtigsten Brutstätten der Fauna“ heute in ihren Territorien.
Der Schutz des Amazonas sei daher nicht nur entscheidend für die globale Biodiversität, so Antunes, sondern für Gesundheit, Ernährungssicherheit, Souveränität und den Fortbestand lokaler Lebensweisen.
Die Studie entstand unter Beteiligung zahlreicher akademischer, indigener und extraktiver Forschender und wurde von COIAB und CNS, zwei der wichtigsten Vertretungen indigener und traditioneller Bevölkerungen, unterstützt.
Mindestens 500 konsumierte Tierarten; 20 Artengruppen machen 72 % der bejagten Individuen und 84 % der entnommenen Biomasse aus (u.a. Weißbartpekaris, Tapire, Pakanager)
In Gebieten mit über 70 % Entwaldung (rund 500.000 km²) sinken Tierzahlen und verfügbare Biomasse pro Jäger um 67 %. Dort dominieren generalistische Arten wie Gürteltiere, Capybaras und wilde Tauben – besonders in der Nähe urbaner Zentren mit hoher Nachfrage nach tierischem Eiweiß
Über das 8-Millionen-km²-Biom gerechnet: mehr als 500.000 Tonnen entnommene Biomasse pro Jahr, davon 0,37 Millionen Tonnen essbares Wildfleisch
Fleisch von Nutztieren – v.a. Geflügel – liefert deutlich weniger Eisen, Zink und essenzielle Vitamine, was in diesen Regionen das Risiko von Mangelernährung erhöht.
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