Keine Wasserstraßen im Amazonasgebiet

Brasilianische Regierung stoppt Pläne für Wasserstraßen im Amazonasgebiet nach einem Monat Protest der Indigenen

Die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Verordnung aufgehoben, welche die Einbeziehung und Vertiefung von Studien zur Umsetzung von Wasserstraßen in Flüssen des Amazonas vorsah. Das war das Ergebnis von rund einem Monat der Mobilisierung und des Protests von indigenen Organisationen und Führungspersönlichkeiten. Die Maßnahme wurde geplant, um die logistische Infrastruktur in der Region auszubauen, einschließlich Teilbereiche, welche strategische Flüsse wie Tapajós, Madeira und Tocantins betreffen, die als wichtige Korridore für den Gütertransport, insbesondere von Getreide, gelten.
Indigene umarmen sich, um die Aufhebung der Verordnung über Wasserstraßen im Amazonasgebiet zu feiern, am Montag (23.2.) in Santarém (PA), nach mehr als einem Monat Protest

Kritik am Wasserstraßenausbau

Seit der Veröffentlichung der Verordnung kritisierten Vertreter:innen indigener Völker und sozioökologischer Organisationen die Initiative und verwiesen auf das Fehlen vorheriger Absprachen mit potenziell betroffenen Völkern – ein Recht, das durch internationale Abkommen, denen Brasilien beigetreten ist, garantiert ist. Die Vertreter:innen erklärten, dass der Ausbau von Wasserstraßen* erhebliche Umweltfolgen haben könne. So wären etwa Veränderungen des Flussregimes, Schäden für die Biodiversität und zusätzlichen Druck auf indigene Territorien, sowie die Förderung wirtschaftlicher Aktivitäten im Zusammenhang mit Abholzung denkbare Folgen.

 

*Wasserstraßen sind ausgebaute Flüsse, die für den Transport von Gütern genutzt werden. Dafür werden Flüsse etwa vertieft oder begradigt, damit größere Schiffe sie ganzjährig befahren können.

Indigene führen während einer Protestaktion am Hauptsitz von Cargill im Hafen von Santarém (PA) am Montag (23.2.) ein Ritual durch

Aufhebung der Verordnung und Ankündigung vertiefter Prüfprozesse

Unter dem steigenden Druck nahm die Regierung Gespräche mit indigenen Vertreter:innen auf und kündigte die Aufhebung der Verordnung als Reaktion auf die vorgebrachten Forderungen an. Die Entscheidung wurde als politisches Signal verstanden und als Bestätigung des Anspruchs, die gesellschaftliche Beteiligung und den Dialog mit betroffenen Völkern zu stärken.

Vertreter:innen der Regierung betonten, dass die Aufhebung kein endgültiger Verzicht auf logistische Initiativen in der Region sei, sondern die Notwendigkeit unterstreiche, Studien zu vertiefen und sicherzustellen, dass künftige Projekte sozioökologische Kriterien und Absprachemechanismen erfüllen. Zugleich wird hervorgehoben, dass die Entwicklung des Amazonasgebiets ein Gleichgewicht zwischen Infrastruktur, Umweltschutz und den Rechten der lokalen Bevölkerung finden müsse.

Andererseits sehen Akteur:innen aus Landwirtschaft und Logistik die Entscheidung als Hindernis für strategische Projekte zur Senkung von Transportkosten und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Exporte. Sie argumentieren, dass Wasserstraßen ein effizienter Verkehrsträger sein können und fordern mehr regulatorische Klarheit.

Der Vorgang zeigt das politische Gewicht der indigenen Mobilisierung und die Herausforderung, wirtschaftliche, ökologische und soziale Interessen im Amazonas in Einklang zu bringen – ein Thema, das weiterhin im Zentrum der öffentlichen Debatte und der Entwicklungspolitik steht